Der Maiteppich – ein Arbeitsprozess in Bildern (Teil 1)

Am 1. Mai haben die meisten bestimmt entspannt und gefeiert (wenn sie nicht gerade auf die Straße gegangen sind, denn manche haben demonstriert). Ich dagegen, da ich keine eingestellte Arbeitnehmerin bin, habe mein nächstes Teppichprojekt begonnen.

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Es war höchste Zeit, dass ich wieder Teppichmacherin spiele, aber das Ereignis wurde durch eine Kundenanfrage auf Dawanda provoziert. Ich wurde gefragt, ob ich einen etwa 2m großen runden bunten Teppich hätte, wie dieser hier.

Ich habe nur kurz überlegt und ein Angebot gemacht, das niemand abschlagen kann. Später habe ich es fast bereut, da ich die Unkosten und die Arbeitszeit viel zu niedrig ausgerechnet hatte. Aber der Kunde hat sich nicht mehr gemeldet. Gut so.

Um einen 2m runden Teppich zu häkeln und zu verfilzen, braucht man ein 3m großes Häkelwerk. Ein 1m großer Filzteppich frisst etwa 1300 g Filzwolle. Da man im Kreis häkelt, verdreifacht sich die nötige Menge an Wolle und Arbeitskraft für einen weiteren Meter, d.h. man würde dann etwa 4 kg Wolle verarbeiten und hoffen, das das gute Ding nicht mehr als 1/3 schrumpft. Nur bei kleineren Teilen kann man die Schrumpfquote einigermaßen gut ausrechnen. Bei großen runden Teppichen habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass ich in die Luft gehäkelt habe. Die stolzeste Größe, die ich bis jetzt erreicht hatte, war 1,25 Fertigprodukt.

Wer weiß, vielleicht nehme ich die Herausforderung irgendwann doch an und mache einen 2m-Giganten. Aber nur, wenn ich über 5kg Wolle in den jeweiligen Farben habe. Allein die Wolle würde dann über 100 Euro kosten. Für die Herstellung braucht man eine Woche. Wie hoch soll der Preis dafür sein?

Zurück zum 1. Mai. Um 15.30h begann der Countdown für meinen Maiteppich. Ich häkle, solange mein Wollvorrat reicht. Dann wird der Teppich verfilzt.

Die Grundidee war: bunt, aber mit kurzen Querstreifen in einer Kontrastfarbe.

Ein Tag später zeige ich euch meine Vorgehensweise in kurzen Schritten:

1.  Der Anfang: ich überlege mir die Farbe im Zentrum. Dann entschließe ich mich den Kreis nicht ganz zu schließen, da die Wolle sich zusammenziehen wird. Ich bin gespannt, ob die Waschmaschine das Loch in der Mitte ganz schließt.

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2. Ich habe mich für kurze Querstübchen entschieden. Hier sieht man schon wie die Stäbchen die Farbgrenzen überschreiten. Mein Sohn häkelt eifrig mit…

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3. Wenn das Material knapp ist, ergeben sich manchmal Kombinationen aus rein praktischen Gründen. Ich muss ständig überlegen, welche Farbe überwiegt, damit ich sie in den letzten Reihen einsetzen kann, die mehr als 50 g auf einmal fressen.

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4. Wer weiß, ob Rot gut auf dem orangefarbenem Hintergrund zu sehen sein wird. Wenn es doch nach dem Filzen untergeht, muss ich mir überlegen, ob ich nachhelfe (zusätzlich gesticke).

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5. Grün.

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6.  Grün bleibt die einzige Farbe mit Querstreifen in beiden Richtungen.

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7. Ich schätze, das war der Zustand kurz vor 20 Uhr.

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8. Pink passt erstaunlich gut hierher und setzt Akzente.

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9. Das muss der Stand von gestern Nacht gewesen sein. So gegen 23.00 Uhr. Ich war sehr müde und musste aufhören.

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10. Heute morgen schaffte ich nicht viel, aber den 1m habe ich erreicht.

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Fortsetzung folgt…

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